Mediennutzung gegen Stress – Einschalten zum Abschalten?

Wir alle  kennen es: nach einem anstrengenden Arbeitstag möchten wir einfach nur nach Hause, uns in die Couch hineinfallen lassen und die Beine hochlegen. Dabei folgt dann meist der Griff zur Fernbedienung oder zum Smartphone, wir fangen zu zappen oder scrollen an – viele von uns betrachten das als Entspannung – einfach kurz Abschalten nach der Arbeit. In den letzten Jahren gab es jedoch vermehrt Studien, die uns zeigten, dass der Bildschirm keine adäquate Form der Entspannung darstelle und Offline-Tätigkeiten vorzuziehen seien.

Doch so klar scheint das laut einer neuen Studie1 nun doch nicht zu sein. In dieser behaupten Forscher nämlich genau das Gegenteil: Computer Spielen und Serien Schauen kann einen positiven Einfluss auf unser Erholungsempfinden haben. Warum und wie das sein kann, erläutern wir hier.

 

Was ist eigentlich Erholung?

Erholung beschreibt den Prozess in welchem der Mensch seine geleerten Energiespeicher wieder auffüllen kann. Dieser Prozess ist erfolgreich, wenn die durch Alltags- oder Arbeitsstress aufgebrauchten Speicher wieder ihr Ausgangsniveau erreicht haben – man sich also fit, besser gelaunt und aktiver fühlt. Für diesen Auffüllprozess sind 4 Hauptfaktoren verantwortlich:

  • Psychologische Distanzierung: vereinfacht gesagt ist das die Ablenkung von der Arbeitsbelastung oder den arbeits- und stressbezogenen Gedanken. Das Grübeln über Arbeitssituationen in der Freizeit kann das Wohlbefinden mindern.
  • Entspannung: ist die Grundzutat für richtige Erholung. Eine durch Stress und Belastung erhöhte körperliche Aktivität erreicht während der Freizeitphase wieder ihr normales Niveau.
  • Erfolgserfahrungen: diese werde assoziiert mit Freizeitbeschäftigungen wie Sport oder ehrenamtlicher, gemeinnütziger Arbeit. Generell aber mit allem, wo man das Gefühl hat, etwas „geschafft“ zu haben.
  • Kontrollerfahrung: das Gefühl, über seine Zeit selbst entscheiden zu können und dürfen und somit das Bedürfnis nach Autonomie zu stillen.

Beschäftigungen, die zumindest 3 dieser 4 Punkte erfüllen, sind als Freizeitaktivitäten zu sehen – welche Art der Unterhaltung man auswählt, hängt von den eigenen Hobbies und Präferenzen ab.

 

Erholung durch Medien – aber wie?

Die Ergebnisse der oben genannten Studien1 deuten auf einen positiven Erholungseffekt von Unterhaltungsmedien hin. So haben Computerspieler in einer Befragung angegeben, das Spielen zur Erholung zu nutzen – in ihrer Frei- sowie Arbeitszeit. Diese kurze Auszeit führt zu einem gesteigerten Erholungsgefühl mit messbaren Resultaten: in einem Laborexperiment2 wurden Messungen durchgeführt, die auf ein höheres Energielevel und Konzentrationsvermögen hinwiesen. Die Teilnehmer fühlten sich nach dem Spielen fitter, aktiver und leistungsfähiger. Das Spielen erfordert zwar Anstrengung und Aufmerksamkeit, allerdings erlebt der Mensch ein positives Kontrollgefühl  und  damit verbundene Bewältigungserfahrungen. Durch das aktive Eingreifen in die Handlung fühlt sich der Spieler involviert in das Geschehen, dies wird dann mit Spaß und in Folge Erholung verbunden .

Das gilt nun nicht nur für interaktive Mediennutzung, sondern auch für die passive Variante: Fernsehen. So wurde belegt3, dass das Anschauen von Filmen und Serien bei der psychischen Distanzierung von Arbeitsbelastung hilft. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Film eine positive oder negative Färbung hat: Komödien dienen der Erholung über Entspannung, während „negative“ Filme wie Dramen uns wachrütteln und somit kognitive Ressourcen aktivieren, welche wiederrum zur Erholung führen.

 

Schritt 2: Klar sagen, was Sache ist!

Sobald du weißt, was du willst und was du nicht willst, wird es Zeit, dies auch zu kommunizieren. Grenzen sind keine Grenzen, wenn niemand sie kennt. Doch wie macht man das am besten? Hier eine Liste von Tipps, die als Leitfaden helfen können.

  • Kontext: Erkläre, warum du einen bestimmten Wunsch hast und etwas möchtest (oder nicht möchtest) – so kann der Gesprächspartner verstehen, welche Beweggründe hinter deiner Entscheidung stehen.
  • Präzise Formulierungen: die sind wichtig, um Fehlinterpretation zu vermeiden.
  • „Ich“-Botschaften: da du über deine Gefühle, Meinungen und Positionen sprichst, ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und dich nicht zu verstecken, deshalb: nicht ins Passiv rutschen – von einem „der Geschirrspüler sollte vielleicht ausgeräumt werden“ ist noch selten wirklich etwas passiert.
  • Stimmige Körpersprache: aufrecht stehen, nicht kleinmachen, Beine fest in den Boden und nicht abwenden – Standhaftigkeit ausstrahlen! Und vor allem: nicht aus Höflichkeit lächeln, wenn du wütend bist.
  • Tonfall: je ruhiger du innerlich bist, desto kräftiger und überzeugter die Stimme.
  • Richtiger Zeitpunkt: schwierige Gespräche brauchen einen angemessenen Rahmen. „Tür-und-Angel“ Gespräche können dem Gespräch an Wichtigkeit nehmen.

 

Natürlich handelt es sich bei diesen Empfehlungen nur um Anhaltspunkte, nur das Hineinhören in uns selbst ist  der Grundstein für richtige Kommunikation.
Durch gesunde Grenzen wirst du vor unberechtigten Erwartung und Forderungen geschützt und das respektvolle Verteidigen der eigenen Bedürfnisse wird dir den Alltag erleichtern und das eigene Zeitmanagement verbessern. So kannst Du selbst mehr Verantwortung für dein Wohlergehen und deine Gesundheit übernehmen.

 

 

 

1Hofmann, W., Vohs, K. D. & Baumeister, R. F. (2012). What people desire, feel conflicted about, and try to resist in everyday life. Psychological Science, 23, 582-588.

2Reinecke, L., Hartmann, T. & Eden, A. (in press). The guilty couch potato: The role of ego depletion in reducing recovery through media use. Journal of Communication.

3Reinecke, L., Klatt, J. & Krämer, N. C. (2011). Entertaining media use and the satisfaction of recovery needs: Recovery outcomes associated with the use of interactive and noninteractive entertaining media. Media Psychology, 14, 192-215.

Kategorie: Allgemein